Liebe Menschen,
wir sind hier heute, am Tag der Arbeit, um als breites Jugendbündnis zu zeigen:
Es ist immer noch Zeit für Widerstand! Mehr denn je!  Und diesen Widerstand bringen wir heute auf die Straße!

Laut Amadeu Antonio Stiftung starben über 200 Tote in der Bundesrepublik Deutschland durch rechtsextreme Motive. Die Dunkelziffer ist wohl  deutlich größer. Seit Jahren sind die Zahlen bekannt, Initiativen von Betroffenen weisen auf die wachsende Gefahr von Rechts hin und trotzdem erleben wir eine absurde Kriminalisierung von Antifaschismus.

Antifaschistische Initiativen leiden häufig unter prekärer Finanzierung und spätestens seit letztem Jahr wird einigen von ihnen die Gemeinnützigkeit aberkannt durch die destruktive Arbeit einiger Finanzämter im Zusammenspiel mit dem Verfassungsschutz. Das ist ein fatales Zeichen. Eine wehrhafte, widerstandsfähige Demokratie zeichnet sich eben nicht dadurch aus, dass sie an einer veralteten Extremismustheorie festhält und eine selbsternannte Mitte heiligt, sondern viel mehr dadurch, dass jede Art von rechten, rassistischen und menschenfeindlichen Tendenzen erkannt werden.

Doch das Erkennen reicht dabei nicht aus. Wir müssen uns als gesamte Gesellschaft nicht nur antifaschistisch positionieren sondern auch so handeln! Antifaschistischen Initiativen ist es nämlich zu verdanken, dass Göttingen heute keine Nazi-Hochburg ist, dass bundesweit gegen repressive Polizeigesetze Widerstand geleistet wird und dass wir alle immer wieder daran erinnert werden: Nie Wieder!

ANTIFASCHISMUS ist kein Verbrechen, nein, Antifaschismus ist eine Tugend!

Die Menschen, die dies in Frage stellen, sind genau die, die im gleichen Zuge die Zerstörung unser Lebensgrundlage nicht nur billigend in Kauf nehmen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes aktiv befeuern. Dabei werden verschwörungstheoretische Ideologien, welche die menschengemachte Klimakrise leugnen, von großen Ölfirmen finanziell gestützt, neue Kohlekraftwerke wie Datteln 4 ans Netz geschaltet und in Parlamenten von Klimahysterie und Klimadschihadisten geredet. Der Widerstand gegen dieses System, was letztendlich unser Leben aufs Spiel setzt, kann nicht nur von einzelnen Aktivist*innen getragen werden. Wir dürfen die Menschen, die Kohlekraftwerke blockieren und für Klimagerechtigkeit auf die Straße gehen, nicht alleine lassen.

Und genau das tun wir heute explizit nicht:
Die Zerstörung unserer Lebensgrundlage nehmen wir nicht länger hin! Wir leisten weiter Widerstand!

Dieser Widerstand kann nur ein feministischer sein. Auch im Jahr 2020 werden Frauen* in allen Teilen unserer Gesellschaft benachteiligt. Sei es Familie, Beruf oder Politik – weltweit sind Gesellschaft durchzogen von männlicher Dominanz. Dabei sind es gerade Frauen*, die an vorderster Front des Widerstandes und auch der Demokratie stehen. Sei es Emma Gonzalez, die sich mit der gesamten US-amerikanischen Waffenlobby anlegt oder Vanessa Nakate, die zeigt: Klimaproteste sind kein neu erfundenes Phänomen des weißen Bildungsbürgertums – Klimaproteste sind und waren ein Existenzkampf! Diese und noch viel mehr Menschen, die aufgrund von diversen Anders-Machungen diskriminiert und benachteiligt werden, sind genau diejenigen, die dieser Gesellschaft am besten aufzeigen, wie kaputt sie doch eigentlich ist.

Darum sagen wir:
Der Tag der Arbeit ist ein Tag des Feminismus!

Gerade weiblich markierte Arbeit wird oft versteckt, kleingeredet und abgewertet. Sogenannte Sorge- und Carearbeit wird häufig gar nicht bezahlt oder wenn, dann nur sehr schlecht. So wurde zum Beispiel der gesamte, überwiegend weibliche Pflegesektor durch eine neoliberale Wirtschaftspolitik zu dem Monstrum, welches uns nun in der Corona-Krise deutlich wird. Aber das ist eigentlich der Ort, der zeigt, dass gerade Frauen es sind, die durchhalten, kämpfen und das System tragen. Und trotzdem hat es jede Bundesregierung des 21. Jahrhunderts geschafft, sich einen stetig größeren Niedriglohnsektor zu züchten mit teils ekligen rassistischen Ausbeutungsverhältnissen. Das nehmen wir nicht länger hin.

Der Tag der Arbeit steht traditionell für die Sichtbarmachung progressiver Arbeitskämpfe. Wir danken darum allen, die vor uns gekämpft haben, freuen uns über alle, die mit uns kämpfen und stellen uns gemeinsam gegen die faschistische und sexistische Ausspielung von Ökologie und Arbeit. Unsere Zukunft ist antifaschistisch, ökologisch, feministisch und auch immer auch solidarisch mit Arbeitskämpfen!

Und genau dafür stehen wir heute hier als Teil einer Generation, der jahrelang vorgeworfen wurde, sie sei nicht politisch. Sie hätte keine Ideale, sie hätte keine Visionen.

Wir stehen hier, nicht obwohl wir jung sind, wir stehen hier, weil wir jung sind.

WIR LEISTEN WIDERSTAND!