antifaIn der Silvesternacht zum 01.01.1991 wird Alex Selchow in Rosdorf auf offener Straße von zwei Neonazis ermordet. Er stirbt an mehr als 10 Messerstichen und schweren Schädelverletzungen. Polizeifahrzeuge fahren vorbei, ohne einzugreifen. Erst als der Notarztwagen vor Ort ist, nimmt sich die Polizei der Sache an. In der gleichen Nacht wird die Silvesterparty, von der aus Alexander aufgebrochen war, fünfmal(!) Ziel von Neonaziangriffen. Die Polizeibeamt_Innen stellen daraufhin die Personalien der Besucher_Innen fest, statt die Faschist_Innen zu verfolgen.
Wenige Stunden zuvor wurden bereits in Göttingen zwei Menschen von sechs Neonazis zusammengeschlagen. Kurz nach dem Mord an Alex werden in Adelebsen zwei Menschen von Faschist_Innen lebensgefährlich verletzt. Darauf folgt nur wenige Stunden später ein erneuter bewaffneter Angriff durch Neonazis auf einen Menschen in Weende, der schwere Bauchverletzungen erleidet.

Die beschriebenen Angriffe waren keine Einzelfälle, bereits seit 1981 wuchs die rechte Szene in Göttingen und Umgebung und hatte durch ein Neonazi Zentrum von Karl Polacek in Mackenrode eine gesicherte Struktur. Regelmäßige Übergriffe durch Neonazis waren die Folge. Auch der Tod von Conny Wessmann steht im engen Zusammenhang mit dieser erstarkenden Neonazi-Szene und einer Polizei, die linkes Engagement zu verhindern versuchte anstelle den Verbrechen der Neonazis nachzugehen.

Diese Ereignisse waren prägend für die politische Entwicklung in Göttingen, es formierte sich Widerstand gegen Rechts. Doch auch, wenn die Anzahl der Übergriffe sich seitdem verringert hat, finden faschistisch motivierte Übergriffe auch heutzutage weiterhin in Göttingen statt, wie zum Beispiel am 14.11.2009, als auf dem Uni-Parkplatz eine Frau Opfer eines rassistischen Übergriffes wurde. In anderen Städten herrschen immer noch Verhältnisse, die dem Göttingen von damals entsprechen! In den letzten 20 Jahren starben fast 140 Menschen durch die Hand von Faschist_Innen. Zuletzt der 19-jährige Kamal in Leipzig.

Um ein klares Zeichen gegen Neonazis zu setzen und ihnen wie im letzten Jahr zu zeigen, dass sie nicht erwünscht sind, ist aktive Beteiligung an den Protesten und am Widerstand gegen den größten Neonazi-Aufmarsch Europas in Dresden im Februar notwendig!

Es darf nicht noch mehr Opfer rechter Gewalt geben und die bisherigen dürfen nicht vergessen werden!

Wir rufen zu einer Protestkundgebung gegen faschistische Gewalt zum 20. Jahrestag des Mordes an Alexander Selchow am 15.01.2011 um 15:00 Uhr am Gänseliesel auf!

Gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und faschistische Gewalt – hier in Göttingen und überall auf der Welt!

Unterzeichnet vom Göttinger Bündnis Gegen Rechts